

Münsinger Faschingszug - Das Neueste aus dem Mutantenstadl
erschienen am 23.02.2009 von Tanja Lühr, Münchner Merkur 
Münsing - Wolfratshauser Perchten, Spaladin, S-Bahn und die örtliche Politik wurden beim Münsinger Faschingszug am Sonntag auf die Schippe genommen.
Welche Themen in welcher Form durch den Kakao gezogen würden, hatte das Fest-„Komitää“ im Vorfeld streng unter Verschluss gehalten. Die Überraschung ist den Veranstaltern des Münsinger Faschingszugs gelungen. Die 35 fahrenden und marschierenden Teilnehmer des Gaudiwurms übertrafen sich gegenseitig an Originalität. Besonders das Derblecken der örtlichen Politik kam bei den rund 3000 Zuschauern an.
„Billige Bauplätze nur für Einheimische – leicht feucht", „Schwimmunterricht je nach Witterung“ warben die Ammerlander Wasserwachtler, Feuerwehrler und Burschen von ihrem Anhänger aus für das chronisch überschwemmte Neubaugebiet am ehemaligen Sportplatz. Dabei spritzten sie wie wild mit Wasser um sich. Für die Ammerlander Besucher Richard Grünwald und Wolfgang Rauch stand fest: „Dieser Wagen ist der absolute Hit.“ Einen hübschen Vorschlag für die geheimnisumwitterte künftige Nutzung des Pallaufhofs machte der Holzhauser Burschenverein: ein Bordell im Herzen des Dorfs. Auf Handzetteln luden die Männer zur Neueröffnung des „Boiauf-Puffs“ ein.
„Degerndorf weg – mehr Platz für Holzers Dreck“ forderten die Münsinger Burschen. Die Schutthalden des Tiefbauunternehmens Holzer am Ortseingang sind wahrlich kein schöner Anblick.
Ob Firmenchef Othmar Holzer darüber lachen kann? „Des is egal. Im Fasching muss so was erlaubt sein“, meinte Komitee-Mitglied Anton Springer. Die meisten Zuschauer jedenfalls verstanden Spaß und ließen sich von Florian Silbereisen alias Manuel Schöpf in seinen „Mutantenstadl“ einbeziehen.
Auch nationale Missstände (Angela Merkel schleudert munter 100 000 Euro-Scheine in die Menge) und regionale Themen griffen die Narren aus Münsing und Umgebung auf. „Mein Kind!“ kreischte ein hysterisches Weib, während schaurige Perchten auf ihr Baby im Leiterwagerl eindroschen. Leicht bekleidete Jungs und Scheichs verkörperten das Spaladin. Einen Sonderzug anstelle der „niemals kommenden S7“ forderte ein Trupp Bauarbeiter. Und die örtlichen Bauern stellten auf ihrem Plakat fest: „Bei uns stehn d’Ross im Stoi und d’Rindviecher hocka im Gemeinderat“. (tal)
Bilder vom Faschingszug
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